Leidenschaft für die Stratosphäre

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Schon einmal ins All geflogen? einfach hoch hinaus hatte das Privileg: Gerne erzählen wir davon All – viel Spaß bei einem besonderen Tripp, voller Emotionen und

Leidenschaft für die Stratosphäre

Ein einziger Raketenstart der NASA kostet mehrere hundert Millionen Euro. Nicht in Deutschland, wo das Team von Stratoflights.de leidenschaftlich gerne ins Weltall fliegt – mit der Kamera für Jedermann im Gepäck.

 

 

„Das Wetter ist heute perfekt“, sagt Marcel mit einem zusammengekniffenen Blick in den Himmel. Es wird tolle Bilder geben. Der Flug ins All auf Punkt zwölf Uhr bei der Deutschen Flugsicherung angemeldet. Das Team von Stratoflights.de kann loslegen – heute für einfach hoch hinaus. Schon wird die Ballonhülle gefüllt, die ersten Passanten bleiben interessiert stehen – und wundern sich über einen kleinen schwarzgelben Astronauten, der an einer Sonde befestigt ist.

 

Marcel Dierig und Marvin „Marv“ Rissiek, die sich allen lieber mit Vor- und Spitznamen vorstellen, tragen einheitliche schwarze Trainingsjacken, ein wenig sehen sie damit aus wie eine Spezialisteneinheit auf Mission. Auf ihrem Rücken verheißt ein Schriftzug „Marketing am Rande des Weltalls“, vorn verrät ein Logo den Namen ihres Unternehmens: Stratoflights. 2011 haben die Studenten Marcel, Marv und Tobias „Tui“ Lohf ihre Firma mit Sitz im nordrhein-westfälischen Blomberg gegründet. Seitdem haben sie für ihre Kunden weit über hundert Wetterballons hinauf in die zweite Schicht der Erdatmosphäre fliegen lassen – Kameras, diverse Objekte und Botschaften im Gepäck, denn bei den Flügen entstehen spektakuläre Video- und Fotoaufnahmen. Von Erde, Himmel und Weltall. Und von den Gegenständen, die sie für die Auftraggeber am Ballon befestigt dorthin schicken. Heute sind sie die richtigen Partner, um die Mission ‚Ein Schuh fliegt ins All’ erfolgreich zu begleiten.

 

Zwanzig Minuten vor zwölf drehen Marcel und Marv die Gasdüsen auf, um den Wetterballon am heutigen Tag zu füllen. Langsam wölbt sich die feine Ballonhaut aus Naturlatex, die die Profis aus Vorsicht nur mit Handschuhen halten. Jetzt, da es mehr zu sehen gibt, wächst die Zahl der Neugierigen, ein Halbkreis bildet sich um die Startzone. Sogar ein Landtagsabgeordneter ist dabei. Marv verschließt die Sonde mit Isolierband und beginnt, den signalroten Fallschirm zu befestigen. In der Stratosphäre angekommen, wird der Ballon wegen des sinkenden Umgebungsdrucks von zweieinhalb auf bis zu 15 Meter Durchmesser anwachsen – und platzen. Dann wird sich der Schirm automatisch ausfalten und das Equipment sicher zurück zur Erde segeln – in aller Regel etwa fünfzig bis hundert Kilometer Luftlinie entfernt vom Startpunkt, je nach den Windverhältnissen.

 

Und dann geht es sehr schnell: Das Einsatzkommando lässt den Ballon los, das Heliumgemisch tut das Seine. Kerzengerade steigt die Kugel mit ihrer Last auf, ungefähr sechs Meter pro Sekunde. Klein und kleiner wird der Ballon am Himmel, nach zehn Minuten ist er mit bloßem Auge nicht mehr zu sehen. Apropos sehen: Um an einzigartige Bilder zu kommen, stecken hochauflösende Kameras in der Sonde. Zirka 140 Minuten dauert es, bis der Ballon die Stratosphäre erreicht hat, dort geplatzt und die Sonde wieder auf der Erde gelandet ist. Wo genau – das Herauszufinden ist etwas, das Marcel „eine Schnitzeljagd des 21. Jahrhunderts“ nennt und auch als beliebtes Teamtraining-Angebot an Unternehmen verkauft. Zwei sogenannte GPS-Tracker stecken in der Sonde: Per Smartphone und Google Maps kann das Team die Flugkurve nachvollziehen. Doch es gibt einen blinden Fleck: Über einer Höhe von 10.000 Metern dürfen die GPS-Sender kein Signal mehr übermitteln, denn dort beginnt militärisches Funksperrgebiet. Ob sich der Ballon an den Plan hält, bleibt also ungewiss. Um sich schon vorher auf das Suchgebiet vorzubereiten, gibt Navigator Marv per Smartphone die Startkoordinaten sowie Steig- und Sinkgeschwindigkeit der Fluggeräte in ein Onlinetool ein, das auf Basis der Daten und der aktuellen Wetterlage ein ungefähres Landefenster errechnet.

Unwillkürlich fühlt man sich an eine Schatzkarte erinnert, als das Equipment schließlich gelandet ist und der letzte GPS-Punkt auf ein Satellitenbild übertragen wurde. Es ist deutlich zu sehen, dass der Landepunkt in einem Feld direkt neben einer Landstraße liegt. Glück gehabt. Dieser Schatz dürfte leicht zu bergen sein. Der weitgereiste Astronaut ist wieder sicher gelandet – das Legomännchen von einfach hoch hinaus!

 

In der Schatzkiste stecken Fotos und Filme: Aufnahmen wie aus dem Weltraumbilderbuch sind es geworden. Im Schnelldurchlauf scrollt sich das Team von Stratoflights.de durch die Aufnahmen, bis der Ballon die blaueren Atmosphärenschichten verlässt und mehr und mehr in den Weltraum eintaucht. Der beginnt genaugenommen zwar erst bei achtzig bis hundert Kilometern Höhe. Doch die Bilder zeigen, dass zumindest „am Rande des Weltalls“ keine Übertreibung ist. Umspielt vom Sonnenlicht, dreht sich ein blauer Barfußschuh, zwischen dem schwarzen All und der blau schimmernden, leicht gekrümmten Erde. (Lennart Will / Martin Gehring, einfach-hoch-hinaus.com)

 

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